On the road again

Hallo Ihr Lieben - zurück von meiner Rundreise, mit einem dicken Schnupfen und leichtem Fieber werde ich euch jetzt mit einer kleinen Zusammenfassung meiner Erlebnisse beglücken

1.Etappe: Oxford, Oxfordshire - Nach zwei Tagen extremer Nervosität zweck des unklaren Verbleibens des Einschreibens mit meinem Britrailticket darf ich den Postboten Samstag früh mit den Worten "You saved my day" erfreuen und meine Reise doch noch termingerecht antreten. In aller Hektik packe ich das Nötigste in meinen Backpackerrucksack, dank meiner Schusseligkeit und extremer Eile vergesse ich dabei natürlich die Hälfte. Nur zwei Stunden später als geplant erreiche ich Oxford - ohne Schirm (der war mir Freitag abend kaputt gegangen, das Miststück), bei strömenden Regen. Über hospitalityclub.org hatte ich mit Yohann aus Straßburg Kontakt aufgenommen, der mich wie verabredet 'in front of the statue of a black sheep' erwartet (die eigentlich ein Ochse ist, worauf wir ja auch von selber hätten kommen können) und mich für die nächsten zwei Tage nicht mehr aus den Augen lässt. Wir essen 'very spicy' Essen aus Portugal, schauen uns die Geschichte der Stadt im Museum of Oxford an und kriegen nasse Füsse. Das mich das englische Wetter stereotypisch zwei Tage lang mit starkem Regenguss versorgte, führte zum Tod meiner geliebten Chucks, die jetzt in einem Mülleimer einer Jugendherberge gemütlich vor sich hinschimmeln (sie wurden dann doch zu schwer - ich hätte sie so gerne wenigstens als Andenken aufgehoben!) Abends macht er mich mit seinen Freunden bekannt - einem waschechten Briten aus Sussex und einem sehr kleinen Inder mit seiner irischen Frau, die uns spontan zum Essen einladen. Wir tauschen uns über Kulturunterschiede aus, erklären dem Inder dass Straßburg nicht in Deutschland ist und basteln Guacamole. So lässt es sich reisen!

2.Etappe: Bath, Wessex - Es regnet noch immer; und jetzt muss ich auch noch feststellen, dass die Züge auch in England zu spät kommen. Es wird sich nur freundlicher dafür entschuldigt: "I am VERY sorry to announce that the train to Bristol Temple Meads is delayed for approximately 13.38476 minutes. I am VERY sorry for this delay." Die genaue Zeitangabe (ich habe nur geringfügig übertrieben) haut mich um. Mit besagter Verspätung erreiche ich Bath, wo mich Olga und Erich (aus Malaga bzw. den kanarischen Inseln) bereits am Bahnhof erwarten; sie tragen mir mein schweres Gepäck den ganzen Berg hoch zu ihrer Wohnung, welche in einem alten, georgianischen Hotel liegt, das etwas 'spooky' aussieht. Ich werde mit allerlei Informationen über die Stadt (insbesondere über Jane Austen) und Tee versorgt; später bekomme ich sogar noch eine kleine Stadtrundführung von Erich, der hier als Tourist Guide arbeitet. Ich muss das berühmte, angeblich heilende Spa-Wasser aus den jahrhundertealten Quellen probieren - Dafür dass es sehr nach Eisen schmecken soll finde ich es ganz lecker (mal abgesehen davon dass es 47°C warm ist) - es schmeckt sogar besser als das gewöhnliche Leitungswasser in England. Nachdem ich ein bisschen am River Avon spazieren gegangen bin, in den Fussstapfen Jane Austen's flaniert bin und die tolle Kathedrale bewundert habe, werde ich von Olga und Erich mit spanischem Essen empfangen. Es ist unheimlich interessant, sich über fremde Kulturen auszutauschen, und Erich gibt mir massenweise Anregungen für meine weiteren Reisen, denn er hat ganze 3 Jahre 'On the road' gelebt. Zum Abschluss spazieren wir den Berg hinauf bis wir einen wunderbaren Blick über die (angeblich römische) Stadt bei Nacht haben - und ich fühle mich sehr wohl.

3.Etappe: Salisbury, Wiltshire - Ab jetzt werde ich nur noch in Jugendherbergen übernachten - die in Salisbury befindet sich in einem alten, viktorianischen Herrenhaus in einem Park und besitzt alle Annehmlichkeiten die man sich wünschen kann. Der Mitarbeiter an der Rezeption verweist mich auf die Check-In Zeit von 1p.m (es war erst zwölf), resigniert aber nach kurzer Zeit als ich mich provozierend wartend auf das Sofa vor seiner Theke setze. Für gewöhnlich verhalte ich mich nicht so penetrant, aber ich brauchte dringend eine Dusche - welche im übrigen besser war als meine eigene in Liverpool. Salisbury ist eine kleine, verschlafende Stadt in der Nähe von Stonehenge (dem mystischen Steinkreis) die sich damit brüstet die schönste Kathedrale in ganz England zu haben (so wie jede andere Stadt dieser Insel auch) - zumindest hat sie den grössten Turm, aber generell finde ich sie eher unspektakulär. Da ich nicht bereit bin, 7pfund Eintritt für ein paar übereinander gestellte Steine zu zahlen verziehe ich mich in den Starbucks Coffe, wo mich kurzfristig ein bisschen Heimweh überfällt.

4. Etappe: Exeter. Devon - Warum brauche ich von Salisbury nach Exeter ganze zwei Stunden mit dem Zug? Es können nicht mehr als 100km sein. Die Antwort findet sich in der Tatsache, dass der Zug an jedem Strauch hält - was sich ungefähr so verhält, als könnte man in Pulheim in den ICE nach Berlin einsteigen. Das britische Bahnsystem ist einfach 'crap', muss ich feststellen; die Züge halten zwar in jedem blöden Kuhdorf, nur natürlich nicht in denen, wo man gerne aussteigen würde. Nachdem ich für ein Weilchen Exeter erkundet habe (dessen Kathedrale viel schöner ist als die in Salisbury!) entschliesse ich mich kurzfristig, ans Meer zu fahren - wo ich die Überraschung meines Lebens erfahre. Hatte ich am Morgen noch meinen Trenchcoat eng geschnürt und den Kragen im Kampf gegen den immerwährenden 'drizzling rain' hochgestellt, erreiche ich mit Exmouth eine völlig andere Welt: Als ich den Zug verlasse schlägt mir feuchtwarme Luft entgegen, die Sonne scheint, das Meer glitzert, und die Promenade ist gesäumt mit - Palmen. Entweder habe ich jetzt die schwere Aufgabe, mein Englandbild zu revidieren, oder die globale Erwärmung hat in den letzten Tagen wirklich rasant zu geschlagen. Ich setze mich in ein 70er Jahre-quitschbuntes-Plastik-Strandcafé und trinke einen billigen Cappuchino, wobei ich das Meer anschmachte und mich über die Sprechgewohnheiten der Südengländer wundere. Nach jedem zweiten Wort schieben sie ein 'you know' ein: "Yesterday I went to the, you know, supermarket to get some, you know, tomatoes to cook some, you know, pasta"

5. Etappe: Bristol, Wessex & Glastonbury, Somerset - Weil in der Nacht jemand das Schlafsaalfenster offen gelassen hat, erwache ich netterweise mit Halsschmerzen und einem Ansatz von Schnupfen. Natürlich mache ich mich trotzdem auf nach Bristol ins Full Moon Backpacker Hostel, wo meine Erwartungen über das 'eco-friendly hotel' nicht enttäuscht werden: Mein grosses Holzbett hat Hippiebettwäsche und ein Kirschkernkissen, und das Zimmer duftet nach Räucherstäbchen. Eine perfekte Einstimmung auf Glastonbury. Dieses kleine Dorf ist nicht nur für sein exzessives Festival bekannt, sondern viel mehr für seine ausschweifende Hippiekommune - das wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, weshalb ich mich in den nächsten Bus setze und 1 1/2 Std. durch die Pampa tingele, nur schwer dazu fähig, meine Augen offen zu halten. Als ich endlich den Bus verlassen kann, um den Schrei meines Körpers nach 'KAFFE!' zu folgen, spricht mich direkt ein Druide an (ja wirklich, ein Druide! Eingewickelt in bunte Tücher mit langem Bart und Stock) ob ich für kostenlose Karten für das 'Sunrise Festival' zu haben wäre. Ich lehne dankend ab und bewege mich auf das 'Rainbow Cafe' zu wo ich einen organischen coffe with cream schlürfe und meine Augenlider sich langsam aber sicher wieder der ihr gedachten Position nähern. Glastonbury ist wirklich merkwürdig - die Strassen sind nicht wie üblich mit Boots, Marks&Spencer und Topshop gesäumt sondern mit merkwürdig klingenden Läden ála 'The speaking Tree' und 'The psychic pig'. Es werden Edelsteine, Räucherstäbchen und organischer Tee verkauft; Ich bekomme Flugblätter für Chakra-Heilungen, indische Kopfmassagen oder Tanze-deinen-Namen-Versammlungen in die Hand gedrückt. In den Cafés sitzen ungewaschene Hippies mit langen Dreadlocks die mich seltsam anschauen wenn ich das Geschehen um mich herum photographiere. Und womit brüstet sich Glastonbury? (Die Abtei ist nämlich schon lange eine Ruine, auch wenn sie angeblich die Überreste von König Arthur und Guinevere beherbergt) Genau - mit dem Tor in eine andere Dimension, dem Tor zu Avalon. Und wie es aussieht, glauben die Bewohner dieser kleinen Stadt auch daran.

Zurück nach Liverpool - nach einer grässlichen Nacht inklusive ausgetrocknetem Mund, frieren trotz zwei Bettdecken, einem extrem ungemütlichen Bett (hier heisst umweltfreundlich wohl Matratzen aus Holz) und lauten Partygeräuschen schleppe ich mich zum Zug, wo ich nach 4 Stunden endlich mein Haus erreiche. Ich war noch nie so froh, wieder hier zu sein... Leider kann ich mir Cheltenham nicht mehr anschauen, obwohl es sogar auf der Strecke liegt - aber ich bin einfach zu schwach. Es erwartet mich mein kuschliges Bett und eine warme Tasse Tee, und der wunderbare Gedanke, dass ich Dienstag nachhause fliege und mein Auslandsjahr zuende ist!

19.5.07 17:15
 


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