Testosteronexplosion

Skurrile Beobachtungen im Land der Scouser: Eine grosse Gruppe testosterongeladener Jungs vor der Guild of Students fuer ein Foto aufgestellt, groelend und sich dabei auf die Brust schlagend. Eine, oder vielleicht auch zwei Rugby-Mannschaften, alle in gruenen Shirts mit der Aufschrift: "We are a drinking club and have a Rugby problem". Haha.

Heute dann vor dem lokalen Waterstones (Buchhandlung) eine meterlange Schlange von Tusen und (Kack)bratzen, handelsueblich aufgetakelt (also ziemlich) und alle mit einem rosa Buch in der Hand - Coleen gab eine organisierte Autogrammstunde. Wer zum Teufel ist Coleen? (Ich nehme an, vermute es aber nur, dass sie eine der WAGs, sprich der Fussballerfrauen ist, evtl sogar von Wayne Rooney, aber ich gebe offen zu keine Ahnung zu haben). Warum haben Biographien (!) von Victoria Beckham oder Coleen (immerhin schon 21), mit nicht mehr Inhalt als hohlem Geschwafel ueber den am wenigsten abfaerbenden Lippenstift etc. hier in England eigentlich so einen Erfolg? Ist das in irgendeiner Weise wohl bezeichnend, was meint ihr?

10.3.07 20:05


Einmal Wales zum Mitnehmen bitte!

Ich hasse Abschiede, und an für sich möchte ich nicht nochmal meinen Liebling gehen lassen müssen - weil ich aber noch bis Ende Mai hier bin, werde ich dem wohl nicht entgehen können. Es waren vier wunderwunderschöne Tage mit meinem Süßen, und das war nach fast sieben Wochen nicht-sehen auch bitter nötig. Sonntag haben wir den Großteil des Tages in Formby am Meer verbracht (wo ich vor ein paar Wochen bereits mit Johanna war), und wurden diesmal nicht weggeweht oder von böswilligem Sand attackiert. Es gibt tatsächlich sehr schöne Ecken in England - auch wenn einige von euch das nicht glauben wollen und der festen Überzeugung sind dass es hier noch dazu dauernd regnet - so eben auch Formby.

Montag haben wir uns dann auf die, leider läner als geplante Reise nach Llangollen (sprich: Chlanggochlen!) in North Wales gemacht, weil ich gar nicht so weit von der Grenze entfernt wohne. Nachdem wir damit zu kämpfen hatten, dass aufgrund eines Bahnunglücks die Reise nach Chester (wo wir umsteigen wollten) durch zahlreiche Unterbrechungen verlängert wurde, kamen wir nach zweineinhalb Stunden dann endlich doch noch in diesem kleinen, verwunschenen Dörfchen am River Dee an. Die Reise hatte sich auf jedenfall gelohnt, die Sonne schien, es war nicht zu kalt und die Waliser sprachen sogar größtenteils Englisch!! (Zurecht heisst es in Deutschland "KauderWELSCH" ) An für sich hatten wir ja geplant, zu der kleinen, die Landschaft überblickende Ruine "Dinas Bran" zu klettern - aber ich hab leider schon nach ein paar Minuten schlapp gemacht, nachdem ich erkannt hatte, dass sie sich auf einem ca. kilometerhohen Berg befand.  Also lieber den Dampfeisenbahnhof begutachten, zwischen uralten Grabsteinen rumlaufen, Teatime halten und Postkarten mit dem längsten walisischen Städtenamen kaufen. (Der tatsächlich wie folgt lautet: Llanfairwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch - schaut es nach wenn ihr mir nicht glaubt )

Und jetzt sitze ich hier wieder zwischen meinen Büchern, mit ein paar Tränchen im Auge aber der Vorfreude auf London (übermorgen!) und der Überzeugung, dass vier Wochen rasend schnell rumgehen... 


28.2.07 16:49


Ye olde York - Teil 2

York ist so schööön (und vor allem nicht so dreckig wie Liverpool) - also nochmal hin. Das hatte ich eh geplant, und dann kam es mir natürlich sehr gelegen dass die alten Herren von der anderen Uni erneut einen Ausflug angeboten haben. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, alleine durch die Stadt zu tingeln, weil keiner meiner Leute dazu bereit war, sich für einen Tag von der Unibibliothek zu lösen (es ist wieder Essay-Phase), aber dann konnte sich Daniel (aus Chile) doch noch eine Karte ergattern. An für sich hieß es, wir fahren für das anstehende Wikinger-Festival nach York - letztendlich habe ich davon aber nichts mitbekommen bis auf eine kleine Ansammlung von grölenden und verkleideten Briten; nix neues also, ich würde behaupten das machen sie sowieso die meiste Zeit Lieber haben wir vier (Daniel aus Chile, Krishanta aus Bremen, Victoria aus Ungarn und Ich) uns von der Gruppe abgesetzt und sind alleine durch die Stadt gezogen - sind durch enge Gassen mit schiefen Häusern gewandert, haben die Klosterruine (oben zu sehen) bewundert und sind über einen Zaun in einen verwunschenen und bemoosten Friedhof eingestiegen. Es war also mal wieder ein sehr lohnenswerter Ausflug.

Hatte ihr eigentlich alle viel Spaß an Karneval? Ich bin pünktlich am Donnerstag Morgen mit einer Mischung aus Frust, Neid und beleidigt sein aufgewacht, mit dem Wissen das ihr alle bereits buntgekleidet an der Flasche hängt - Johanna ging es genauso, weshalb wir dann abends in den Pub "Fly on the Loaf" gegangen sind und eine Flasche Früh Kölsch geteilt haben - 3.20Pfund die Flasche!!! Dazu noch ein bisschen Karnevalslied gesungen und Wunden geleckt. Naja, es dauert ja gar nicht mehr lange bis 2008, und dann bin ich wieder dabei!

19.2.07 21:51


Alle Welt hat sich lieb!

 
What are you going to wear tonight? What are you going to do tonight? What did your Sweetheart give you for Valentines Day?!?! Fuck off - nichts, denn meine bessere Hälfte befindet sich auf dem Festland, und überhaupt ist dieser ganze Mist doch total übertrieben. Brauch man denn einen festgelegten Tag im Kalender an dem man sich sagt, dass man sich liebt?! Also ich tue das nicht nur einmal im Jahr... Es ist nicht möglich, den ganzen überteuerten Blumensträußen, Valentinsgrußkarten und Herzchen zu entgehen - sogar als Amor verkleidete Männer laufen durch die Stadt!! Ich komme mir vor wie bei einem Nationalfeiertag. Von Emo wurde mir erklärt, dass die Mädels diesen Tag hier derartig ernst nehmen, dass durchaus die Beziehung gefährdet sein könnte, sollten sie nicht wenigstens eine Rose bekommen. Aber meiner Meinung nach erwarten die meisten eher einen Städtetrip nach Paris inklusive Candle-Light-Dinner unterm Eifelturm und Brilliantring im Nachtisch. Herrje, es ist wirklich anstrengend hier, und die Männer tuen mir leid. Frustrierend ist es aber auch, schließlich sitze ich hier auf dieser Insel fest und muss turtelnden Pärchen beim knutschen zusehen. Denn heute haben sich alle lieb.
14.2.07 17:52


10.2.07 21:25


And the Snow keeps falling...


Current music: Emily Haines - Knives don't have your Back

Es schneit, es schneit, kommt alle aus dem Haus! Die Welt, die Welt, sieht wie gepudert aus! (Ja, ich hatte eine Rolf Zuckowski-Kindheit!) Es schneit tatsächlich, schon den ganzen Tag, der Schnee bleibt sogar liegen, die voreiligen Osterglocken sterben einen bitteren Kältetod und den wahnsinnig unvernünftigen Schulmädchen, die auch bei Minustemperaturen mit Röckchen und ohne Strumpfhose durch die Gegend watscheln wünsche ich eine dicke, fetter Blasenentzündung! (*evil laugh*) Was gibt es bei diesem Wetter besseres, als sich mit einer Tasse Tee und den ganzen viktorianischen Romanen, die gelesen werden wollen, ins Bettchen zu verkriechen und sich dort vor der Welt zu verstecken?

Die Außenwelt, bzw. der Rest dieser Insel, ist mir auch definitiv zu verrückt. Gestern live erlebt und nicht fassen können: Literaturwissenschaftliches Seminar über das "Age of Enlightment" (so um 1740 rum), Thema "Fanny Hill" (sprich Porno in Schriftform ) der Dozent fragt "Have you ever come across the term 'Paraphrase'?" Große Augen, fragende Blicke (das Ganze akustisch untermalt von Rotze-hochziehen-Geräuschen, denn Taschentücher sind hier - sehr zu meinem Leidwesen- verpönt) - Julia brodelt innerlich, kann sich grade noch zurückhalten nicht drauflos zu brüllen "IHR STUDIERT IM DRITTEN JAHR LITERATURWISSENSCHAFT UND WISST NICHT WAS EINE PARAPHRASE IST?!?!? Letztendlich muss ich dieses erschreckende Erlebnis einfach in der Kategorie "Unbegrenzte Komischkeiten im Land der Inselaffen" verbuchen . Aber traurig ist es schon...

8.2.07 18:51


Viva Espana!


Hola Chicas e Chicos! Da bin ich wieder, frisch zurück aus Spanien, sehr übermüdet und etwas genervt. Soviel sei gesagt: Wenn möglich, fliegt niemals mit Ryanair aka. "Rüttelair" - abgesehen von ihren unglaublich dreisten Gepäckgebühren haben sie es dann heute auch noch geschafft, mein Gepäck ganz zu verschlammen. Angekommen in Liverpool wollte ich so schnell wie möglich in die Wohnung, essen und so, wartete mit den anderen Fluggästen am Rollband, musste zusehen wie jeder seinen Koffer an sich nahm, das Rollband langsamer wurde und schließlich ganz anhielt. Ohne meinen Traveller Rucksack ausgespuckt zu haben. Ääh... Also erstmal zu der netten Scouser-Dame an der Lost Property Office, klarmarchen dass man ohne sein ganzes Kulturzeugs etc. nur ungern nachhause fahren möchte, schließlich aber doch resignieren müssen. Der Rucksack sei entweder noch in Santiago oder vielleicht auch an irgendeinem anderen Ort dieser schönen Welt - na super. Zum Glück befand sich ja auch nur mein Lieblingspulli, das Geburstagsgeschenk für meine Mitbewohnerin sowie Emo's Schlafsack im Rucksack - aargh. Aber zum Glück hat sich das ganze schneller geklärt als erwartet und der Rucksack ist wieder bei mir in sicheren Händen - die Ryanair Crew hatte wohl einfach nur vergessen ihn aus dem Flugzeug zu holen...


Dafür hatte ich eine sehr schöne Zeit in Spanien bei der lieben Hannah. Es war alles genauso wie ich es mir vorgestellt hatte, abgesehen von der Kälte - die passte nicht ganz. Aber die schöne Altstadt von Santiago, die große Kathedrale in die Pilger aus aller Welt hinwandern und die zahlreichen Tapas, die man zu dem eh schon lächerlich preiswerten Wein dazu bekommt (1.60€!!!) machte das alles wieder wett... Zum Glück habe ich mich nicht zu sehr an den spanischen Lebensstil gewöhnt (man geht nicht vor 1-2uhr nachts in Clubs), denn der britische ist nunmal total anders (die Pubs schließen um 23uhr ) und abgesehen davon hab ich wirklich viel für die Uni zu lesen bzw. zu schreiben. Da werden die vier Monate die mir noch bleiben sehr schnell vorbeigehen. Was durchaus gute Seiten hat...

30.1.07 16:50


Meeresrauschen

Da melde ich mich auch schon wieder - diese tolle Fotos wollte ich euch nicht vorenthalten. Ja, diese Landschaft auf den obigen Photos befindet sich tatsächlich in England - eine geschätzte halbe Stunde mit der Bimmelbahn und man befindet sich am linken Ufer dieser Insel. Leider hopsten uns nicht wie versprochen todesmutige Eichhörnchen im "Red Squirrel Reserve" über die Füsse (ich hatte glaub ich schonmal erzählt dass die roten Squirrels vor ein paar Jahrzehnten von der bösen Spezies der "Grey Squirrels" bekämpft wurden, weshalb sie jetzt in extra für sie umzäunten Waldstücken leben müssen - am Eingang hängt allerdings kein Schild ála "Zutritt für graue Eichhörnchen verboten" ), vielmehr mussten wir uns vor fast umstürzenden Fichten retten, dem mit tosender Geschwindigkeit rumfauchenden Wind unser volles Gewicht entgegenstemmen und aufpassen, nicht vom schäumenden und wütendem Meer verschluckt zu werden. Gemütlich in den Dünen liegen war dann natürlich auch nicht drin, eher herrschte das Motto "Wie schaffe Ich es bloß, diese 20m hohe Düne wieder runterzuklettern und mir dabei gleichzeitig die Augen zuzuhalten damit nicht soviel Sand reinkommt?!" War sowieso aussichtslos. Ich hatte überall Sand - ja, ÜBERALL, sogar in meiner Unterwäsche... Aber bald nochmal hin, ganz bestimmt. Wir haben bemerkt wie gut es doch tut, mal aus der miefigen, von Abgasen verseuchten Mittelstadt Liverpool rauszukommen und sich die Lungen mit Seeluft durchpusten zu lassen. Und gepustet hat es wirklich ordentlich!!

20.1.07 22:10


Die Gedanken sind frei

HalliHallo. Ich fühle mich frei irgendwie - ja, nachdem ich die letzten zwei Wochen fast ununterbrochen entweder Hausarbeit geschrieben habe oder für meine Klausur gestern gelernt habe, gibt es jetzt vergleichsweise wenig zu tun. Das Wochenende, in dem ich mich grad mittendrin befinde, sind übrigens meine Semesterferien, Montag geht es wieder los. Schon anders als die langen zwei Monate in Deutschland, oder?

Mein Exam über Children's Literature war übrigens ziemlich anstrengend, ich glaube ich brauche eine neue rechte Hand jetzt - wie soll man bitte in zwei Stunden eine vernünftige Gedichtinterpretation PLUS einen durchstrukturierten, Thesen und Antithesen beinhaltenden Essay aufs Papier bringen? Genau. Ich hatte gefühlte 5 Sekunden Zeit mir meine Gedanken zurechtzuwurscheln, und dann musste ich zwangsweise auch schon los schreiben. Ob das was geworden ist? Schließlich kann ich bei Vokabelmangel nicht einfach nach Wörtern greifen, wie man das in seiner eigenen Sprache gewohnt ist - nein, ich muss sie in einem dicken Wörterbuch nachschauen. Aber vielleicht hat es ja doch ganz gut geklappt, wer weiß. Kurz noch etwas zu den organisatorischen Unterschieden, was mich doch etwas schmunzeln liess; jedes einzelne Augenpaar aus dem prallgefüllten Hörsaal starrte aufgeregt auf den Sekundenzeiger der großen Uhr hinterm Rednerpult, nur noch drei, zwei, eins Sekunden und "Goooo!!!" (so brüllten die Dozenten). Seltsam, die Briten.

Die erste vollständig auf Englisch geschriebene Uni-Klausur (Abi zählt jetzt mal nicht) musste dann auch erstmal gebührend gefeiert werden - also ab zu Johanna und großen Topf voll Obstsalat machen und abends dann in den Pub. "Poke Mahone", seltsam hört es sich an (es ist Irisch), böse muss man es übersetzen: "Lick my ass". Aber man soll ja nicht vom Namen auf den Charakter schließen, und so gestaltete sich der Abend voller Weißwein, höchstphilosophischen Gesprächen mit Nico und seltsamen Scousern die uns die Kerzen vom Tisch klauten doch sehr schön im Leck-mich-am-Arsch-Pub...

20.1.07 10:40


Ja ist denn heut schon Frühling?

Da melde ich mich mal wieder. Der Frühling ist eingekehrt, so kommt es mir jedenfalls hier im Nordwesten von England vor - es ist zwar windig, aber so warm, dass mitunter der Wintermantel völlig überflüssig ist und sogar die Osterglocken sich schon den Schlaf aus den Augen gerieben und ihr Lager auf der Erdoberfläche aufgeschlagen haben. In den Kleidungsgewohnheiten der jungen Britinnen ändert dieses Wetter selbstverständlich nicht viel - Ballerinas ohne Socken sind hier ja schließlich auch im tiefsten Winter Usus.

Falls es jemanden interessiert habe ich es tatsächlich geschafft, diese Mörder-Hausarbeit über mein James Joyce Seminar (fast) pünktlich abzugeben - sich 7.000 Wörter oder knappe 18 Seiten innerhalb von dreieinhalb Tagen aus den Fingern zu ziehen und dabei auch noch glaubwürdig zu klingen ist mehr als schwierig, vor allem wenn man dabei noch unter akuten Heimwehanfällen leidet. Aber dank der laxen Vorschriften der Bibliothek meiner Uni konnte ich es mir mit einem Kaffe, O-Saft, frischen Croissants, Äpfeln und belegten Broten stundenlang an einem Computer Fensterplatz gemütlich machen, mir lustige Sätze ausdenken und dem Regen dabei zusehen, wie er von außen gegen die riesengroßen Fensterscheiben prasselt.

Am Wochenende hat mich dann sehr kurzfristig meine Mum besucht (dank Billigflieger eröffnen sich solche Möglichkeiten!) um sich anzuschauen, wie ich hier eigentlich hause - Diese Kombination von Mama und Tochter hat ein sehr entspanntes, durchgelabertes, shoppingreiches (es ist Sale! Überall Sale!) und unheimlich gemütliches Wochenende ergeben, welches viel zu schnell vorbei gegangen ist. Jetzt bleiben mir meine geschätzten tausend Bücher die ich für dieses Sommersemester lesen muss (das Sommersemester fängt, logischerweise, nächsten Montag bereits an ) und meine Kinderliteratur-Klausur am Freitag.

Weil die als Vorfreude-Insel aber nicht reicht, muss ich verreisen. Und was bietet sich da besser an, als die Nonstop-Verbindung nach Santiago de Compostela zu nutzen und die liebe Hannah zu besuchen? Genau. Für fünf Tage... Ich freue mich sehr!

Ta ra ihr Lieben

17.1.07 20:58


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